Eine kleine Kirchengeschichte

Ein sichtbares Zeichen der Religiosität sind die Kirchenbauten. Wie anders als mit einem festen Glauben sind die verschiedenen, teilweise unter größten Anstrengungen errichteten Gotteshäuser zu verstehen, als ein in Stein manifestierter Glaube. Allein in der vom Christentum geprägten Welt finden sich zahlreiche Belege dafür: Die Kathedrale von Chartre, das Straßburger Münster sind mehr als nur Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst. Gleiches gilt für die Basiliuskathedrale im Kreml in Moskau, sie ist für sich schon zum Symbol für Rußland geworden. Als im 19. Jahrhundert der Kölner Dom nach Jahrhunderten endlich fertig gestellt wurde, haben amerikanische Ingenieure daran die alte Kunst des Hochbaues erlernt, die sie dann an den Wolkenkratzern in New York vervollkommnet haben.

In Anbetracht so vieler großartiger Leistungen unserer Vorfahren stellt sich die Frage, wie denn nun die Welt unserer Vorväter überhaupt aussah?

Anders als in unserer Zeit war der Glaube ein zentrales Thema im Leben der Menschen. Die Suche nach dem Seelenheil war für Viele ebenso bedeutsam wie das tägliche Brot. So war zum Beispiel die mittelalterliche Gesellschaft pyramidenförmig gegliedert. An der Spitze, weil sie Gott am nächsten standen, war die vergleichsweise kleine Gruppe der Kleriker zu finden, also Priester, Mönche und Nonnen. Sie sorgten für das Seelenheil aller Christen. An zweiter Stelle stand der Adel bzw. die Ritter. Sie boten dem 1. Stand (Klerus) und dem 3. Stand (Bauern und Bürger) Schutz. Dann folgte die große Masse der Bauern und Bürger, die durch ihre Arbeit sich und die beiden anderen Stände mit allem versorgten was zum Leben nötig war .

Die Kirchspiele dienten auch als Verwaltungsgrundlagen für die weltliche Herrschaft im Mittelalter und der Neuzeit. So bildeten in Holstein und in Stormarn mehrere Kirchspiele die Grundlage für eine Burgvogtei,

Die Jahre der Reformation, wir erinnern uns an Luthers Thesenanschlag von 1519, lösten eine Lawine von Veränderungen aus. Neben der katholischen Kirche etablierten sich nun auch Lutheraner, Calvinisten, Anglikaner, Mennoniten, Presbyterianer usw. Aber noch immer oder nun erst recht war der Glaube bei den Menschen tief verwurzelt.

Auch weiterhin nahmen Kirche und Priester einen zentralen Platz im Leben der Menschen ein. Taufe, Heirat und Bestattung waren feste Bestandteile des religiösen Lebens. Die Kirchenbücher geben bis heute Kunde von der Bedeutung der Kirche im Alltagsleben unserer Vorfahren .

Der Pfarrer und seine Gemahlin (ein evangelischer Gemeindepriester hatte einfach verheiratet zu sein) waren innerhalb ihrer Gemeinde so etwas wie moralische Instanzen, sie mussten immer ein gutes Beispiel abgeben. Der Pfarrer im Dorf hatte sich nicht nur um das Seelenheil Seiner Gemeinde zu kümmern, sondern hatte auch ganz weltliche Kontrollaufgaben, ihm oblag es, durch stetige Kontrolle der Dorfschule für einen regulären Unterricht zu sorgen.

Dafür waren die Gläubigen nach alter Sitte der Kirche gegenüber immer abgabenpflichtig. Barsbüttel war seit dem Mittelalter bis 1803 -als sogenanntes Kapitelsdorf- dem Domkapitel zu Harnburg gegenüber verpflichtet, jährlich eine bestimmte Anzahl an Rauchhühnern zu liefern. Die sogenannte Martinsgans, die die Bauern auf den Dörfern irn November direkt beim Pfarrer abzugeben hatten, ist vermutlich das bekannteste Beispiel für die verschiedenen Abgaben.

So war 1876 der Steinbeker Pastor Petersen auch der Vorsitzende des Barsbütteler Schulkollegiums. Aus der Schulchronik für Barsbüttel erfahren wir z.B. dass 1889 beschlossen wurde, einen zweiten Lehrer einzustellen und dass der Pastor Petersen sich um die Durchführung kümmern sollte.

"Zugleich wurde beschlossen, daß man von einer Wahl des neuen Lehrers abstehen wolle und die Auffindung und Ansehnung desselben in die Hand des Herrn Schulinspektors Pastor Petersen in Steinbek gelegt werden sollte."

(Schulchronik für Barsbüttel, Gemeindearchiv Barsbüttel)

Gemeinden, die eine eigene Kirche besaßen, waren der religiöse Mittelpunkt für mehrere Dörfer in der Umgebung. So mussten die Barsbütteler über Jahrhunderte immer nach Kirchsteinbek, dem Sitz der zuständigen Kirche. Der Steinbeker Weg hieß im Volksmund auch der Totenredder. Über diese Straße zogen die Familien mit ihren Toten zur Steinbeker Kirche und zum Friedhof. Sonntag für Sonntag und jeden Feiertag wanderten die Barsbütteler in ihrem besten Anzug mit Pferd und Wagen oder natürlich zu Fuß die sechs Kilometer über den Steinbeker Weg in die Kirche zum Gottesdienst.

Sicherlich nicht neu war der Gedanke, in Barsbüttel eine Kirche zu errichten. Das würde den sonntäglichen Weg zum Gottesdienst für die Barsbütteler erheblich verkürzt haben. Doch erst die Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges boten hierzu die Gelegenheit. Denn jetzt war durch die Flüchtlinge aus dem Osten und die ausgebombten Hamburger die Gemeinde so stark angewachsen, dass es durchaus sinnvoll erschien, aus der alten Gemeinde Barsbüttel auch eine eigene Kirchengemeinde zu machen.

1939 zählte die Gemeinde Barsbüttel knapp über 860 Einwohner und 1946 hatte sich die Einwohnerzahl auf über 2300 verdreifacht. Allerdings sollte es noch rund sieben Jahre dauern, bis der Grundstein gelegt werden konnte. Am 1. März 1954 wurde dann die Kirche in Barsbüttel eingeweiht. Pastor Treutler war der erste Pfarrer in der neuen Gemeinde Barsbüttel.

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