Evangelischer Friedhof in Rahlstedt

Geh' aus mein Herz und suche Freud

Hamburg - Endlich! Die Sonne scheint wieder. Alles grünt und blüht. Der Mai ist der schönste Monat für Ausflüge in die Natur. In den nächsten Wochen stellen wir Ihnen grüne Oasen vor, die einen Besuch lohnen - oder in denen Sie selbst die Harke in die Hand nehmen können. In unserer ersten Folge erfahren Sie, wo Sie auf Rhododendron gesäumten Wegen zum „Baum des Lebens“ wandeln.

Natürliche Pracht: der Rahlstedter Friedhof und sein Leiter Matthias Habel, Fotos: Rahlstedter Friedhof

Natürliche Pracht: der Rahlstedter Friedhof und sein Leiter Matthias Habel

Der Flieder duftet. Rhododendronblüten leuchten in Lila und Pink. Die Wege sind mit Bänken gesäumt. Wer sich einen Moment setzt, hört die Bäume rauschen und die Vögel singen.

Der evangelische Friedhof in Rahlstedt ist eine Oase der Ruhe. Und mit seinen 8,5 Hektar Fläche ein kleiner Park. Leiter Matthias Habel will Menschen begeistern, locken – und dem Tod etwas von seinem Schrecken nehmen.

Seit zehn Jahren leitet er den Friedhof, der seit 1829 besteht. “Wir wollen unseren Park zu einer kleinen Gartenschau machen“, sagt er. Im Frühjahr verwandeln Blausternchen die Wiesen in ein Blütenmeer. Gerade haben die 20 Gärtner 30.000 Begonien gepflanzt. 1500 botanische Schilder informieren über Pflanzen. Auch ein „Geocache“ liegt auf dem Friedhof versteckt: Wer möchte, kann sich auf die Suche nach einem Schatz machen, geführt von seinem GPS-System.

Der Park widmet sich auch der Kunst. Der Hamburger Dichter Detlev von Liliencron (1844-1909) liegt hier begraben. An vielen Stellen säumen Stein- und Bronzeskulpturen die Wege. Das größte Kunstobjekt wurde erst vor kurzem fertig: der sechs Meter hohe und breite „Baum des Lebens“.

Ein Kunstwerk mit Briefkasten

Aus einer 125 Jahre alten amerikanischen Roteiche, die vom Pilz befallen war, hat der Künstler Peer Oliver Nau ein buntes Abbild des Lebens im Jetzt und im Jenseits geschaffen. In der Mitte der Ewigkeitsbriefkasten: In einen drei Meter tiefen Hohlraum in und unter der Eiche können Trauernde Briefe an Verstorbene werfen. Sie bleiben für immer darin, vergehen und gelangen über das Erdreich zu den Toten.

Habel hat noch ein Ziel: Er will den Friedhof bis 2020 komplett CO2-frei machen. Auf dem Dach der Kapelle produziert eine Photovoltaikanlage Strom. Ein Mini-Blockheizkraftwerk heizt im Winter. Grünabfälle werden zu Dünger kompostiert. Ein Brunnen versorgt den Friedhof mit Wasser. Alle Fahrzeuge, die neu angeschafft werden, haben einen leisen Elektromotor. Himmlische Stille im Nordosten Hamburgs.

Ort: Friedhof Rahlstedt, Am Friedhof 11, 22149 Hamburg

Öffnungszeiten: täglich von 7 bis 21 Uhr

,,Sabine Henning, kirche-hamburg.de.''

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