Liebe Barsbüttlerinnen und Barsbüttler,

2006-07_geistl_wort„Die Weisen aus dem Morgenland beten das Jesuskind an“ so heißt die abgebildete Szene des chinesischen Künstlers He Qi. Elemente seiner chinesischen Kultur machen diese Szene für unsere Augen neu und ungewöhnlich: Statt des Ochsen gesellt sich ein Pferd an die Seite des Esels, denn im Chinesischen heißt Krippe „Pferdetrog“. Im farbigen Original leuchtet Marias Kleid rot, in China die Farbe des Glücks. Ihre kleine blaue Schürze mit Blumenmuster erinnert an die Tracht einfacher Landfrauen. Auch die Weisen tragen typische Gewänder und Schuhe. Einer überreicht eine kostbare Vase: der darauf abgebildete Kranich wünscht langes Leben.

Hängen geblieben mit meinem Blick und meinem Herzen bin ich an dieser Krippenszene, weil etwas sonst wichtiges nur ganz am Rande angedeutet ist: die eigentliche Krippe. Stattdessen hat Maria ihren Sohn inniglich im Arm. Und ich finde: da gehört er hin! Mit der Krippe an sich, ihrer Bedeutung tu ich mich schwer. Seit jeher. Sicherlich: so steht es in der Bibel“…. und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Aber: Ich glaub das einfach nicht!! Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mutter ihr Neugeborenes auch nur aus der Hand gibt! Es gehört für mich an die Brust, vor den Bauch, nahe an Wärme, Haut und Duft der Mutter. Es gehört auf den Arm, in den Arm, es gehört getragen. In manchen Kulturen tragen Mütter ihre Kinder monatelang mit sich rum. Sie werden getragen, um Kraft und Liebe, Urvertrauen und Lebenstüchtigkeit aufzutanken. Wer erlebt hat wie es ist getragen zu sein, wird im Leben Andere und auch manchen Schicksalsschlag tragen können. Und da sollte ausgerechnet Jesus nicht getragen worden sein?

Ausgerechnet Jesus, der sich im Leben und im Sterben von Gott getragen wusste, sollte diese Urerfahrung bei seiner Mutter nicht gemacht haben dürfen?

Ausgerechnet Jesus, der in seinem Leben so viele Menschen durch ihre Fragen und Schicksale getragen hat, ausgerechnet Jesus, der unser aller Sünde am Kreuz trägt, soll selbst kein Getragener gewesen sein? „Liegt dort elend nackt und bloß in einem Krippelein“ auf dem Boden, auf Stroh meterweit weg von Marias Mutterherzen, wie viele uns vertraute Krippen es darstellen? Männliche Maler des Mittelalters mögen das ja so sehen, aber: ich glaub’s einfach nicht!

Doch manchmal da seh’ ich eine Krippenszene, wie diese chinesische, und mir geht das Herz auf: Maria hat Jesus im Arm! Dass Ihnen, egal aus welchem Grund, zu Weihnachten das Herz aufgehen möge wünscht Ihnen

Ihre Pastorin Erler

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