Ein Interview mit Schwester Silke (Sw. Silke.)

Das Interview führte Pastorin Erler (P’in Erler)

P’in Erler: Sw. Silke, Sie sind Mitarbeitende in der ambulanten Pflege als Palliativ-Schwester. Was ist das?

Sw. Silke: Palliativ ist ein neues Wort in der „Rund-Um-Versorgung“ Sterbender. Palliativ kommt vom Lateinischen „Pallium“ = Mantel; es geht also um die „ummantelnde“ Sorge und Begleitung von unheilbar Kranken und ihren Angehörigen.

P’in Erler: Ist das ein neuer Beruf?

Sw. Silke: Nein, ich bin seit 10 Jahren exam. Altenpflegerin und wir alle in der Pflege begleiten Sterbende und haben das schon immer getan. Aber die Aufgaben in der Pflege sind heutzutage so vielfältig, dass sich einzelne Schwestern spezialisieren. Wir haben z. B. auch eine Wund-Schwester im Team. Und ich bin seit 2 Jahren zur Palliativ-Schwester fortgebildet.

P’in Erler: Wie käme ich denn als unheilbar kranker Mensch zu Ihnen und Ihrem Angebot?

Sw. Silke: Der Hausarzt und auch Krankenhäuser verordnen eine „SAPV“, eine Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung. Dann schaut die Krankenkasse, welches „Palliativ-Care-Team“ in der Region tätig ist und wer den Einsatz leisten könnte. In Barsbüttel könnten die Palliativ-Care-Teams-Geesthacht oder –Ratzeburg tätig werden.

P’in Erler: Und dann? Noch habe ich als Kranke Sie ja noch gar nicht zu Gesicht bekommen?

Sw. Silke: Für jeden Patienten wird ein Team von Schwestern und Ärzten koordiniert und wenn das Team steht, gibt es ein Erstgespräch im Hause des Pflegekunden mit dem Arzt und der Koordinatorin und mir.

P’in Erler: Ach, und dann lösen Sie die vorhergehende Pflege ab?

Sw. Silke: Nein, die SAPV ist zusätzlich! Das ist ja das Besondere: dass es ein   24 Std. Bereitschaftsdienst des Palliativ-Teams ist, der schnell und oft (auch stündlich) in Rufbereitschaft für den Sterbenden da ist.
P’in Erler: Können Sie nicht ein Beispiel aus dem Alltag erzählen, an dem das deutlich wird?

Sw. Silke: z. B. ein älterer Herr wurde aus dem Krankenhaus zum Sterben nach Hause entlassen und äußerte den Wunsch ohne Schmerzen durchschlafen zu können. Daraufhin hat der Palliativ-Arzt eine spezielle Medikamenten-Mix-Spritze zusammengestellt, die ich zur Nacht verabreicht habe. Infolge konnte sich der Wunsch erfüllen: der Pflegekunde konnte nachts schlafen und tagsüber geistig wach die letzten Tage mit der Familie genießen und Abschied nehmen. Er hat noch wichtige Dinge regeln können und ist dann nach 2 ½ Wochen friedlich gestorben.

P’in Erler: Oje, wie halten Sie das aus? So oft und immer wieder mit dem Tod konfrontiert zu sein?

Sw. Silke: Schon bei der Anfrage kann ich entscheiden, ob ich innerlich bereit bin für eine Sterbebegleitung. Ich darf mir Pausen nehmen, wobei dann Kollegen aus dem Palliativteam zum Einsatz kommen. Im Team der Sozialstation finde ich Unterstützung und auch durch ehrenamtliche ambulante Hospizbegleiter.

P’in Erler: Was ist das denn?

Sw. Silke: Ja, das sind engagierte Mitmenschen, die einen Kurs gemacht haben und Sterbende zuhause besuchen. Durch Zeit für Gespräche und Zuwendung unterstützen und erleichtern sie unsere Arbeit.

P’in Erler: Ach, und solche Menschen haben wir in Barsbüttel?

Sw. Silke: Ja, Frau M. Lehmann und Frau C. Stegemann; aber es dürfen sich  gerne noch mehr Interessierte bei der Sozialstation melden: 670 464 95

P’in Erler: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

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