Frauen und Gesundheit

In vielfältigen Studien ist nachgewiesen worden, dass Frauen und Männer einen unterschiedlichen Umgang mit Gesundheit und Gesundheitsproblemen haben. Frauen definieren Gesundheit anders als Männer. Während Männer Gesundheit häufig mit der Abwesenheit von Krankheit und ungeminderter Leistungsfähigkeit gleichsetzen, erleben Frauen Gesundheit als Summe ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Integrität.

Frauen scheinen aufmerksamer auf körperliche und psychische Beeinträchtigungen zu reagieren, deuten Krankheitssymptome eher und suchen schneller eine Ärztin oder einen Arzt auf. Sie sind im Allgemeinen gesund-heitsbewusster, haben ein ausgeprägteres Vorsorgedenken und im medi-zinischen Versorgungssystem andere Bedürfnisse als Männer. Sie verhalten sich im Verkehr, Haushalt und am Arbeitsplatz weniger riskant. Frauen rauchen weniger und sind auch beim Alkoholkonsum zurückhaltender.

Die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, wie die ungleiche Einbindung in Familie und Beruf und die spezifischen Sozialisationser-fahrungen prägen ihren Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Die Ver-bindung von Beruf und Familie ist für Frauen zur vorherrschenden Lebens-form geworden. Je erfolgreicher Beruf und Familie vereinbart werden kann, desto positiver wirkt es auf die Gesundheit. Im „Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland“ (2001) wird deutlich, dass diese Unterschiede teilweise auf körperlich- biologischen Bedingungen beruhen. Das umfasst die reproduktive Gesundheit von Frauen, in den Bereichen Schwangerschaft, Geburt, künstliche Befruchtung, Klimakterium, aber auch Zusammenhänge zwischen hormonellen Faktoren und chronischen Erkrankungen.

Zudem hat sich durch geschlechtspezifisch ausgerichtete Studien gezeigt, dass das medizinische Versorgungssystem sich an männlichen Maßstäben ausrichtet und somit den Vorgängen im weiblichen Körper und einer weiblichen Kultur nicht gerecht wurde. Die Aspekte der Frauengesundheit werden heute in Forschungsprogrammen vermehrt berücksichtigt, sodass die daraus resultierenden Erkenntnisse über unterschiedliche Krankheitssymptomatiken, Krankheitsverläufe und Therapiekonzepte den Frauen in der alltäglichen medizinischen Versorgung zu Gute kommen.

Nichtsdestotrotz ist das bundesdeutsche Gesundheitssystem vornehmlich an rein medizinischen Krankheitskonzepten ausgerichtet.  Ein geschlechts-sensibler Ansatz ist bislang wenig verbreitet. Dazu gehört, die Belastungen und Ressourcen von Frauen in Arbeit, Beruf und Familie in Diagnose und Behandlung  einzubeziehen und ihr Selbsthilfepotenzial und ihre Laienkompetenz als unverzichtbare Elemente für ihre Genesung ernst zu nehmen und zu fördern.Karin Moltzen, Gleichstellungsbeauftragte

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