Geistliches Wort

Stille Nacht, Heilige Nacht

Liebe Leserinnen und Leser,

nichts ist mehr mit Stille. Wahrscheinlich, weil uns nichts heilig ist. Weder die Nacht noch die Stille. Wir Menschen heutzutage sind ruhelos. Am besten nachts durcharbeiten und sonntags auch. Die ganze Nacht läuft der Autoverkehr weiter und die Züge rollen. Und wer nicht arbeiten muss, macht irgendwie anders die Nacht zum Tage.

Das steigert sich noch einmal in der Vorweihnachtszeit (früher „Advent“). Zur Vorbereitung auf die „Stille Nacht“ sollten die Läden am besten gar nicht mehr schließen. Das Geschäft brummt. Alles saust und braust ohne Rast. Hilfe! Bald ist Weihnachten! Rettende Oase? Endlich Ruhe? Stille Nacht? Manche sind so erschöpft, dass sie das gar nicht genießen können. Andere wiederum halten die Ruhe gar nicht aus, diese zweieinhalb Tage. Hoffen, dass das Treiben bald wieder losgeht: Geschenke umtauschen, Silvester und Neujahr vorbereiten.

Doch auch dieses Jahr bricht das Heilige wieder in unsere Welt ein. Auch wenn uns nichts heilig ist, kommt Gott trotzdem zu uns. Wie wäre es, wenn wir uns zur Ruhe bringen lassen würden? Ich lasse mich ein auf Gott, der zur Welt kommt. Ich genieße zuallererst die Stille. Erst die Stille macht mich bereit, bereit für das Fremde, das Heilige, für Gott. Gott selbst ist in Jesus Christus auf unserer Welt erschienen. Und er begegnet uns in unserem Leben völlig unvermittelt, ganz anders, unerwartet. Wir bereiten ein Feuerwerk vor, und er kommt als ruhe- und liebebedürftiges Baby in einem dunklen Stall zur Welt. Ganz unscheinbar, ganz leise. Stille Nacht, Heilige Nacht.

Lassen wir uns herausrufen aus unserem Getümmel. Dann wird aus unserem Weihnachtsrummel eine Frohe Weihnacht werden, in der uns das Heilige begegnet. Das sollte uns heilig sein und werden.

Ihr Pastor Christoph Karstens

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