………und er trug sein Kreuz……….

Johannesevangelium, Kap. 19,Vers 17

Liebe Leserinnen und Leser,

Jesus trägt sein Kreuz zu seiner eigenen Hinrichtung. So berichtet uns der Evangelist Johannes. Die anderen Evangelisten, Matthäus, Markus und Lukas, berichten uns etwas anderes: Da haben sie einen Mann gegriffen, Simon von Kyrene, dem legen sie das Kreuz auf, dass er es Jesus nachträgt. Nach all den Folterungen war Jesus wahrscheinlich zu schwach, sein Kreuz selbst zu tragen. Aber der Zwang war da: Das Kreuz musste getragen werden. Ob nun Jesus selbst, oder Simon von Kyrene, ob ein Stück, oder geteilte Last, am Ende ging Jesus in den Tod am Kreuz.

„Will jemand mir nachfolgen, der ...nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Das sagte Jesus vor seinem Leidensweg zu seinen Jüngern. Als ob wir nicht genug zu tragen hätten. Jetzt lädt Jesus uns auch noch etwas auf. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“, sagen viele. Aber das verharmlost, worum es geht. Das Leben ist eher ein Kreuz als „ein Päckchen“. Ein Päckchen ist wohl immer noch zu tragen, aber das Kreuz nicht. Oft scheint es zu viel, was uns auferlegt ist, wir können es nicht tragen, nicht mehr ertragen. Zu schwer. Sogar Jesus ist es zu schwer geworden. Auch er brauchte Hilfe, Hilfe für einen Weg, den er aus freien Stücken gar nicht gehen wollte. Auch wir müssen Wege gehen, die wir uns nicht selbst gesucht haben. Und darin fühlen wir uns allein gelassen.

Auch Jesus muss seinen Leidensweg ganz allein gehen, daran ändert auch die zuguckende Menschenmenge nichts und die unbeteiligten Soldaten. Doch dann wird ihm Hilfe zu Teil, auch wenn ihm das Letzte nicht erspart bleibt. Simon von Kyrene war zunächst nur Zuschauer, bis die Soldaten ihn gegriffen haben: „Der kann nicht mehr! Jetzt bist du dran!“

Wenn es Jesus schon nicht ohne Hilfe schaffte, wie dann wir? Nur Helden schaffen immer alles. Christen dürfen sagen: Es wird mir zu schwer! Und sie dürfen gewiss sein: Gott schickt Hilfe. Da ist dann einer, der übernimmt, der mit trägt.

In unserer Gemeinde haben wir viele, die mit tragen. Und sogar mehrere, die gar nicht offiziell dazu gehören. Aber sie sind da, packen mit an. Hoffentlich nicht gezwungenermaßen, wie Simon von Kyrene. Sondern einfach, weil es notwendig ist, oder es ihnen am Herzen liegt. Und doch vielleicht oft: Ich kann und mag nicht mehr, es ist aber unumgänglich. Weil die, die es tragen müssten, zu schwach sind. Ohne Leidensmiene Kreuz-Träger zu sein, das kann man von uns Christen erwarten. „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“

Ihr Pastor Christoph Karstens

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