...und lass mich Wurzeln treiben

Jetzt ist Zeit zum Pflanzen. Endlich, möchte man nach diesem langen Winter und kaltem Frühjahr sagen. Vielleicht zieht es Sie auch in den Garten: da muss ja nicht nur gepflanzt werden, vorher will der Boden vorbereitet sein. Wichtig ist für viele Pflanzen der Standort: manche lieben es schattig, andere sonnig. Manche mögen es trocken, andere brauchen viel Wasser. Eine Pflanze kann sich ihren Standort nicht aussuchen. Sie ist davon abhängig, wohin wir sie setzen: dort muss sie wachsen. Wird sie dort auch gut gedeihen? Das kommt auf die Umstände an .. und unser dazutun. Deshalb ist die Arbeit mit dem Pflanzen auch nicht beendet, sondern fängt eigentlich erst richtig an: Pflänzchen müssen gegossen werden von Unkraut freigehalten, vor Ungeziefer geschützt. Wer pflanzt, übernimmt Verantwortung für das Gepflanzte (Für Manche gehört zu dieser Verantwortung sogar das liebevolle Gespräch mit den Pflanzen). Irgendwann hat man dann seine Freude an den Pflanzen.

In der Bibel wird das Pflanzen öfter als Bild für menschliches Leben benutzt. Im 1.Psalm z.B. wird ein Mensch, der sich gut „macht“ mit einem Baum verglichen, der gepflanzt ist an Wasserbächen. Er hat also einen guten Standort, wo er genügend Feuchtigkeit und Nahrung findet, so dass seine Blätter nicht welken, auch wenn der Sommer noch so heiß wird. Und wenn die Zeit reif ist, trägt er Früchte. Nun können wir Menschen uns –im Unterschied zu einer Pflanze- unseren Standort ja frei aussuchen. Wir können einen Beruf wählen, den Partner wählen, den Wohnort wählen. Und trotzdem bleibt da noch so vieles, worauf wir keinen Einfluss haben. Manche Eigenschaften sind uns „in die Wiege gelegt“. Und eine Menge von dem, was sich im Leben ergibt, ist nicht unsere eigene Wahl, sondern hängt von Umständen ab, die wir nicht in der Hand haben. Ja, Menschen haben die Freiheit, ihren Weg zu gehen – und doch gehört viel Glück und viel Segen dazu, wenn wir sein sollen wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen.

Glück und Segen werden mir zum Teil durch Menschen beschert, die meinen Weg begleiten, die ihre Hand schützend über mich halten oder sie mir kameradschaftlich reichen; durch Menschen, mit denen ich mich auseinandersetze oder die mir Gutes tun. Oft aber stellen sich Glück und Segen ein, ohne dass jemand dafür etwas tut. Glück und Segen hängen auch nicht nur vom äußeren Ergehen ab. Es gibt Menschen, denen es gar nicht gut geht, und deren Leben doch glücklich und gesegnet ist. So kann man wohl sagen: wenn jemand sich wie ein Baum fühlt, gepflanzt an Wasserbächen, dann hat immer Gott seine Hand mit im Spiel!

Paul Gerhardt muss es ähnlich empfunden haben als er dichtete:

Mach in mir deinem Geiste Raum,

dass ich dir wird ein guter Baum

Und lass mich Wurzel treiben.

Verleihe, dass zu deinem Ruhm

Ich deines Gartens schöne Blum

Und Pflanze möge bleiben

Und Pflanze möge bleiben (EG 503,)

Man kann, in der Tat, die ganze Welt als einen Garten verstehen, von Gott angelegt. In ihm haben wir unseren Platz, an den Gott uns gestellt hat und auch unseren Spielraum, in dem wir uns entfalten können. Aber ob aus uns etwas Gutes wird, hängt nicht nur von unserer Tüchtigkeit und Geschicklichkeit ab, sondern ganz entscheidend von dem Segen und dem guten Geist dessen, der den Garten angelegt hat.

Ich wünsche ihnen, dass alles, was Sie in diesen Frühjahrs- und Sommermonaten pflanzen, wächst und gedeiht und dass Sie selber sich als eine Pflanze im Garten Gottes verstehen können.

Ihre Pastorin

Sabine Erler

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