Interview

Ein Gespräch mit Walter Wegler

Einer aus dem innersten Kern unserer Kirchengemeinde, 40 Jahre lang Kirchenvorsteher und noch heute bei nahezu jedem Gottesdienst dabei (seine große, schlanke Gestalt, inzwischen ein wenig gebeugt, ist unübersehbar). „Urgestein“, könnte man wohl sagen. Aber Walter Wegler (Jahrgang 1920) ist gar nicht eckig und kantig, sondern sehr beweglich und einfühlsam, immer freundlich und zuvorkommend. Ganz und gar „alte Schule“ - und doch kann er sich auch für einen Konfirmanden-Gottesdienst begeistern.

Herr Wegler, wie fühlt man sich mit 85?

(lacht) Eigentlich fühle ich mich nicht nach 85 Jahren, denn ich bin noch beweglich, ich fahre Rad, ich fahre Auto, ich klettere noch aufs Dach (seine Frau protestiert). Jedoch an manchen Tagen fühle ich mich matt und müde und habe ein großes Schlafbedürfnis. Doch sehr oft glaube ich, dass ich nicht so alt bin.

Was zieht Sie Sonntag für Sonntag in den Gottesdienst?

Die Predigt, die baut mich auf. Und das Abendmahl, weil ich da, was ich glaube, nicht richtig gemacht zu haben - und ich will mich bessern - , vergeben bekomme. Wenn ich mit jemand anderer Meinung war, und wir zum Abendmahl gingen alle beide, dann haben wir uns angekuckt, und dann war alles gut.

Waren Sie immer schon so kirchlich eingestellt?

Ja, eigentlich von meiner Mutter an, die hat jeden Tag in der Bibel gelesen. Jeden Sonntag ging ich hin, wir hatten einen Anmarschweg von 6 Kilometern.

Wofür schlägt ihr Herz besonders?

Für die Mitbetreuung der Gemeindeglieder, dass der Zusammenhalt gestärkt wird und es nicht so gleichgültig ist. Dass die älteren Leute auch immer noch mit in die Kirche kommen. Ich habe sie abgeholt und nach Hause gebracht, man setzt sich zu ihnen hin und spricht mit ihnen, man hat so ein Vertrauen zueinander.

War irgendetwas früher besser?

Die Spendenfreudigkeit. Wir haben ja früher auf jeden Pfennig gekuckt, und wir hatten noch keine Glocken. Da habe ich den Auftrag bekommen, in der Gemeinde zu sammeln. Ich ging von Haus zu Haus und habe um eine Spende gebeten. Zum Beispiel unsere Nachbarin war eine ältere Rentnerin, die nur den Monat 70 Mark hatte, und die hat 200 Mark gegeben. Und die anderen haben so viel gegeben, dass wir die Glocken ganz aus Spendengeldern bestellen konnten.

Auf was, das Sie in ihrer aktiven Zeit als Kirchenvorsteher mit angestoßen haben, sind Sie besonders stolz?

Nicht stolz: dankbar ja. - Dass wir sorgsam umgegangen sind mit den Geldern. Ich war immer für die Überprüfung. Bei jedem Pfennig haben wir gesagt: nur für kirchliche Zwecke. Wir haben gespart, auch verhandelt. Wir haben viel gebaut, da konnte man was rausholen. Ich bin für den Kindergarten gewesen, und das ist dann auch durchgekommen.

Was meinen Sie: wie wird unsere Kirchengemeinde in 25 Jahren aussehen?

Das Verhältnis zur katholischen Kirche wird sich noch verbessert haben.

Was möchten Sie noch miterleben?

Dass die Männerarbeit noch mehr Zuwachs bekommt.

Joomla templates by a4joomla