In Erwartung

Liebe Barsbüttlerinnen und Barsbüttler,

Menschen halten Ausschau. Von einem turmartigen Gerüst, och über den Häusern, schauen sie ins Weite. Einer hat ein Fernrohr mitgebracht. Ein anderer zeigt mit dem Finger nach vorn. „In Erwartung“ heißt dieses Bild von Walter Habdank (1930 – 2001).

In Erwartung zu leben kann anstrengend sein, aber eigentlich ist es etwas sehr Schönes. Denn, wer etwas erwartet, rechnet damit, dass etwas auf ihn zukommt, etwas Neues und Aufregendes vielleicht. Dass Zukunft mehr ist als die Verlängerung von Vergangenheit und Gegenwart. Die Bibel spricht ja oft davon, dass Gott auf uns zukommt. Meist tut er das auf ganz weltliche Weise: durch Menschen, die uns begegnen, durch Ereignisse, die uns betreffen, durch Worte, die uns berühren. So sorgt er dafür, dass wir in Bewegung bleiben, uns nicht einrichten in dem Erreichten. Diese offene, nach vorn schauende gespannte Erwartungsstimmung spüre ich in den momentanen Frühlingstagen immer besonders: es ist nicht mehr lange hin und die Sommer-, Urlaubs- und Ferienzeit lockt. Ich freue mich auf das Aufatmen, auf freie Zeit, auf neue Erlebnisse, vielleicht sogar in fernen Ländern. Noch weiß ich gar nicht, wo es hingehen soll und Urlaubskataloge stapeln sich auf dem Wohnzimmertisch und neben dem Bett.

Erwartungsvoll und freudig spazieren meine Gedanken in diese „kostbarsten Wochen des Jahres“ und ich fange an zu träumen. „Vorfreude ist die schönste Freude“, sagte eine Freundin zu mir und sie hat wohl recht, denn ich spüre, wie die vorfreudige Erwartung der Urlaubszeit schon meine jetzige Gegenwart belebt und bereichert. Nicht nur von schönen Erinnerungen kann man zehren, nein, Kraft gewinnen lässt sich auch aus der Erwartung dessen, was Gott mit uns noch vorhat, auch wenn wir es nicht kennen.

Auch die ersten Christen erlebten, dass Gott noch mal ganz neu und belebend auf sie zukam: nach Tod und Auferstehung Jesu war immer noch nicht klar, wie es nun eigentlich weitergehen sollte, mit dem, was Jesus unter seinen Jüngerinnen und Jüngern angestiftet hatte, da kam das erste Pfingstfest, Gottes Geist schenkte neue Gemeinschaft und bis heute feiern wir dieses Geburtstagsfest der Kirche. Und ich finde es passt gut in diese vorsommerliche Stimmung: Aufbruch und Begeisterung, Vorfreude und Planung, Neues und Erfrischendes liegt vor uns, nicht nur weil die Ferienzeit kommt, sondern weil die Zukunft Gott gehört und er nicht aufhört, auf uns zuzukommen!

Lassen Sie uns die Sommer- und Ferienzeit nutzen und Ausschau halten (holen Sie Ihre Fernrohre aus den Schubladen!) nach dem, was Gott für uns bereit hält!

Herzlichst Ihre Pastorin

Sabine Erler

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