OSTERABEND

Otto von Taube (1879 – 1973)


Herr, tritt zu uns, denn es will Abend werden,
der Tag hat sich geneigt:
ein milder Frühlingsfrieden hüllt die Erden,
der Nebel steigt,

und nur ein Vogel singt noch. Seine Weise
erklingt wohl bald nicht mehr.
Allein der Taktschritt unserer späten Reise
tappt müd und schwer.

Wie gerne würden wir uns niederlegen
daheim, im Vaterhaus.
Hier sind wir fremd. Doch teilst du deinen Segen
auch Fremden aus.

Magst auch in jener Herberg bei uns weilen
und brichst mit uns das Brot,
magst auch von allen Elendsschmerzen heilen
und jeder Not.

Herr, komm und bleib! Woll du uns Ruh gewähren
aus Gnaden, Gottessohn,
o du, nach dem wir Darbenden begehren
so lange schon.

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