VIVIT

Lebensmotto mit fünf Buchstaben? Vivit. Das ist lateinisch (auf der ersten Silbe zu betonen!) und bedeutet „er, sie, es lebt“. „Er“ in diesem Fall: er lebt. Nämlich Jesus. Denn es geht um Ostern. Um Leben und Tod - und nochmals um das Leben. Das neue Leben, für ihn und für uns. Prägnanter kann man es nicht sagen, worauf wir unsere Hoffnung setzen. Ein einziges, kurzes Wort. Das vergisst sich nicht wieder; das ist wie der Name eines geliebten Menschen, in dem sich eine ganze Geschichte konzentriert, sooft wir ihn aussprechen oder im Herzen bewegen. Und mit seinen fünf Buchstaben passt das Wort überall hin. Martin Luther hatte es in seinem Wappen: auf der schmalen Fläche seines Siegelrings. Keine Schwierigkeit, ein solches Wort immer bei der Hand zu haben, vor Augen und im Sinn. Wo wir gehen und stehen, können wir darüber nachdenken oder es leise vor uns hin sprechen. Und selbst im Angesicht des Todes, wenn wir schreien wollen und uns die Stimme versagt: soviel bekommen wir hoffentlich noch heraus.
Die christliche Lehre ist ausgedehnt und anspruchsvoll und stellenweise recht mühsam zu erklären. Einerseits. Andererseits ergeben sich immer wieder die erstaunlichsten Verknappungen und Verdichtungen; dann ist wieder alles ganz einfach und leuchtet unmittelbar ein. Es gibt Zusammenfassungen, Zuspitzungen, Kernsätze, und manchmal ist es wirklich nur ein einziges Wort. Die ganze Osterbotschaft lässt sich auf fünf Buchstaben zusammenkürzen.
Wir werden selbstverständlich auf keine der bestürzenden und beseligenden Geschichten vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung verzichten wollen, und sie können gar nicht lang und ausführlich genug sein. Aber dann gibt es wieder Zeiten oder Momente, da muss ein einziges Wort genügen.

Auf das Wort „Vivit“ und die Tatsache, die dahinter steht, können wir uns vor Gott in allen Anfechtungen berufen; wir können damit unseren Glauben bekennen, uns damit trösten und uns wehren. Wir können es unserem bösesten Feind entgegenschleudern wie Luther sein Tintenfass, oder wie David seinen Stein gegen Goliaths Stirn.

Mit unserem „Leben“ ist es ja oft nicht so weit her. Es kommt vor, dass wir auf die Frage, wie’s uns denn gehe, gedankenlos mit der Floskel „Man lebt.“ antworten. Wir sind zwar nicht tot, aber so richtig lebendig ist unser Leben auch nicht. Es passiert so wenig darin, und wir machen so wenig daraus. Wir bleiben hinter unseren Möglichkeiten zurück. Lustlosigkeit, Langeweile, Überdruss machen sich breit, und im schlimmeren Fall herrschen Ratlosigkeit, Verzweiflung und Verbitterung. Es gibt dann auch wieder andere Zeiten, aber diese Erfahrung des vorweggenommenen Todes ist wohl jedem und jeder von uns vertraut.

Er ist schon weiter. Er war selber tot, wahrhaftig, aber er lebt. Und dass er lebt, ist für uns wie ein Versprechen: wir sind nicht notwendig und mit letzter Konsequenz dem Tod verfallen. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, hat er gesagt (Johannes 14, 19).

Vivit - und was er kann, können wir auch.

Ihr Pastor Stefan Kramer 

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