Schlusslicht

Viel Wein und Korn

Ein Theologie-Professor, bei dem ich studierte, machte gern aufmerksam auf einen Vers des 4. Psalms: Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben. Das gefiel ihm offenbar an David, dem Sänger des Psalms: dass er seine Freude hat an seinem Gott, aber auch den Wohlstand der anderen ohne Neid mit ansehen kann. Und dass er ihnen von Herzen nicht nur ihren Wein, sondern auch ihren Korn gönnt.

Ein Scherz am Rande, mehr nicht. Dass ausgerechnet so etwas hängen bleibt... Und doch ist es (finde ich) der Erinnerung wert. Man hört heute solche kleinen Scherze und Wortspiele immer seltener. Zugegeben: einige waren reichlich abgegriffen, und es kostete Anstrengung, sie zu belachen. Aber schade ist es doch, denn zusammen mit den Albernheiten ist auch die selbstverständliche Aufgeschlossenheit und gelegentliche Neugier, alles echte Bemühen um die Botschaft verloren gegangen.

Immerhin: die Konfirmanden von heute (die Jungs vor allem) müssen grinsen, wenn die schöne Geschichte von der Speisung der Fünftausend gelesen wird (Johannes 6): Jesus sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort.

Ich glaube nun nicht im Ernst, dass Gott das Korn-Trinken und Gras-Rauchen empfiehlt, nicht im Entferntesten. Aber ich glaube auch nicht, dass der Ernst die einzig erlaubte Umgangsweise mit den heiligen Schriften ist. Wenn wir sie so ganz aus unseren gewöhnlichen Gesprächen heraushalten, dauert es nicht lange, und wir haben sie - in allen Ehren - vergessen.

Stefan Kramer

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