Abschiedsworte

Am 27. Mai 1995 saß ich mit klopfendem Herzen im Flieger von Glasgow nach Hamburg, um meine neue Stelle in Barsbüttel anzutreten.....und überhaupt:
nach 5 Jahren Schottland  wieder in der Heimat Fuß zu fassen! Was würde werden?

Nie habe ich mir vorstellen können, dass 20 lange Jahre daraus werden würden.

Eigentlich hab ich gar kein Gefühl für die Zeitspanne 20 Jahre, da muss ich mir schon meinen Sohn angucken, um zu ermessen, was 20 Jahre bedeuten:

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Und wer ihn heute sieht, erkennt ihn nicht wieder!

abschied erler 02

 

Was ist doch alles passiert in 20 Jahren:

Mehrere Gemeindereisen nach Schottland und Polen; kritische Gottesdienste zu fairem Handel und Weltwirtschaft und Haiti und der Kampagne saubere Kleidung und ob Christen nicht eigentlich vegetarisch leben müssten...u...v...a...m.....

Gesprächsreihen zu Gesundheit und Vergänglichkeit mit Clownin in der Kirche und Führung in der Kunsthalle und der Frage: ist Gesundheit wirklich das Wichtigste?
Ist das nicht kränkend für Kranke, wenn ihnen damit indirekt gesagt wird, dass ihnen das Wichtigste im Leben fehlt?!

Vielleicht haben sie Gottvertrauen und wie viel Wert ist das?

Was Menschen mit Behinderung für Lebensfreude haben und ausstrahlen können, wissen wir spätestens seit der Ausstellung des Atelier Lichtzeichens im Foyer des Waldenburger Weges!

Immer hat es mir Freude bereitet, mich auseinander zu setzen mit Ihnen, mit der Gemeinde mit nahen oder ferner stehenden Menschen über das, was wirklich wichtig ist im Leben.
Viele tolle Begegnungen haben diesen Weg begleitet, gemeinsam haben wir uns manchem Tabu genähert und Themen ins Gespräch gebracht, die auch so ihre schwere, tiefe, unangenehme Seite haben.
Dabei ging es mir nie um Moral oder den berühmten erhoben Zeigefinger, sondern immer um das sich miteinander auf den Weg machen und den Spuren Jesu in dieser Welt folgen.
Und das mit Lust und Freude und wertschätzender Aufrichtung für Jede und Jeden , die/der mitgehen möchte.

Niederdrückende Stimmen gibt es schon genug in dieser Welt.

„Was würde Jesus dazu sagen“, war schon für Martin Niemöller eine gute Frage, um den eigenen Weg zu finden, und dem kann ich auch heute nur zustimmen.
„Was würde Jesus dazu sagen“, dass 70 Jahre nach Kriegsende immer noch und schon wieder Menschen anderer Religion und Hautfarbe sich auf unseren Straßen nicht sicher fühlen? Dass Flüchtlingsheime angesteckt und Frauen mit Kopftuch bedroht werden?

Es gibt noch so viel zu tun auf dem Weg der Menschlichkeit und Nächstenliebe, auf den Jesus uns geschickt hat!
Wir gehen weiter diesen Weg, gemeinsam und doch nun auf getrennten Wegen: Sie als Ev.-Luth. Kirchengemeinde Barsbüttel, ich als Pastorin auf neuer, anderer Stelle.

Und bis wir uns wiederseh’n,  halte Gott Sie fest in seiner gütigen Hand!

Danke für 20 erfüllte Jahre...Danke für einen wunderschönen 17. Mai....Danke für 20 Jahre Heimat....Danke für die Wurzeln, die wir hier schlagen durften und für die Flügel die uns hier gewachsen sind!

Ihre

Erler sign klein

 

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